Eine Reise zu Bischof SchäfflerIm August 2008 hatte ich zum zweiten Mal die Gelegenheit mit der Volkshochschule Waidhofen/Ybbs nach Brasilien zu reisen. Wie schon im Jahr 2004 war das wichtigste Ziel die Diözese Parnaiba im Bundesstaat Piaui, im wirtschaftlich benachteiligten Nordosten Brasiliens. Das Land ist trocken, kaum fruchtbar, birgt keine Rohstoffe und liegt daher auch abseits der Interessen des Staates. Vor 40 Jahren wurde Dom Alfredo in Brasilien zum Priester geweiht, seit damals gilt sein Hauptaugenmerk den am Rand der Gesellschaft Stehenden, den Armen. Über 50 Sozialzentren entstanden in den letzten Jahren, zuletzt vor allem in Teresina und rund um die Stadt Parnaiba, wo Dom Afredo seit 2001 als Bischof wirkt. In diesen Zentren nimmt man sich vor allem der Kleinkinder an, sie bekommen ein warmes Essen - zumeist das einzige Essen am Tag! - saubere Kleidung, lernen soziale und hygienische Grundregeln kennen und werden von freiwilligen Helferinnen, die dafür ebenfalls ein Essen pro Tag bekommen, liebevoll betreut. Ältere Kinder kommen nach der Schule, bekommen ebenfalls Essen sowie Unterstützung beim Lernen oder Unterricht in Handarbeiten, die sie in ihrem späteren Leben nutzbringend verwenden können. In Summe werden über 500 Kinder und Jugendlich ständig betreut. Die Sozialstationen sind aber auch Mittelpunkt der Kommunikation, wo der Gedanke der Solidarität gepflegt wird. Sie sind eine Anlaufstelle für alte Menschen, die dort Unterstützung, Rat oder Ansprache finden bzw. eine Art Mütterberatung, wo Grundlagen der Ernährung und Hygiene weitergegeben werden. Die Zentren sind aber auch der Nährboden für neue Ideen, wo Hilfe zur Selbsthilfe in die Realität umgesetzt wird. So entstehen in Zusammenarbeit und mit finanzieller Unterstützung durch Dom Alfredo einfache Häuser oder Zisternen, die für eine Familie Wasser für ein halbes Jahr speichern. Es gibt einen "Lehrgarten", wo Gemüse zur Eigenversorgung bzw. für den Markt angebaut wird. Die Leute lernen regionales Obst zu verwerten, Spielzeug, Möbel und Mini-Gewächshäuser aus Plastikflaschen herzustellen, es wird gestickt, genäht, geklöppelt, geplaudert, politisiert, gebetet. Armut, Isolation und Arbeitslosigkeit sind für ein paar Stunden vergessen, man richtet sich gegenseitig auf, schöpft neue Hoffnung und gewinnt ein Stück Selbstwert zurück. Wir besichtigten auch den Traktor, der durch Spendengelder aus unserer Region angekauft werden konnte und seit drei Jahren im Einsatz ist. Nur ein paar Fahrer sind berechtigt ihn zu lenken, aber er steht im Dienste von ca. 200 Familien und bearbeitet 900 ha Land, auf dem der Ertrag je nach Bonität des Bodens zwischen 25% und 100% gesteigert werden konnte. "Unser" Traktor hat es somit ermöglicht, dass 200 Familien nicht ans Aufgeben denken, ihr Land verlassen und in den Slums der Städte landen sondern von ihrem kargen Land leben und sogar Überschüsse gewinnbringend verkaufen können. Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie effizient die bei uns gesammelten Spenden eingesetzt werden und wie viel sich im Ablauf der letzten vier Jahre zum Positiven verändert hat. Dass unsere Hilfe aber auch weiterhin dringend benötigt wird, zeigte uns ein Rundgang in den Favelas am Stadtrand von Parnaiba, wo sich Menschen rund um eine Mülldeponie niedergelassen haben, in der Hoffnung im Abfall verwertbare und essbare Reste finden zu können. Sie hausen dort unter ärmlichsten Bedingungen, bei verseuchtem Grundwasser, ohne jede Perspektive auf eine Besserung ihrer Lebensumstände. In genau jenem Areal wird das nächste Sozialzentrum entstehen. Das Grundstück hat Dom Alfredo bereits angekauft ... Audio-Botschaft von Bischof Schäffler an die Schulgemeinschaft des BRG Waidhofen/YbbsMag. Gabriele Hofleitner
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